Von Norman Liebold geschrieben am: 29.10.2011 unter Die Höhle, Hintergründe
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[Dieser Artikel ist der 3. von 3 Teilen in der Reihe Hintergrund Die Höhle]
In den letzten Jahren sind fast ausschließlich realistische Geschichten entstanden: Politische Krimis wie “Gläserner Sarg”(2008), “Dichterbrand”(2007/08) und “Krimifrass”(2008); Künstlernovellen wie “Beorn”(2010) und “Euthanatus”(2010), die Dystopie “Navigator”(2009). Die letzten phantastischen Novellen waren die “Spaltenzungen”(2005) und “Der Kulturgeist”(2007), und der letzte phantastische Roman mit Horror-Elementen war der “Incubus” von 2003. Es dürfte nicht wenig verwundern, dass jetzt plötzlich ein ausgesprochen süffiger und expliziter Horrorroman aus meiner Feder gekommen ist, der sich auf dem Grad zwischen realistischer Psychologie und mystischem Abgleiten nach Anderwelt bewegt. Vielleicht ist die Antwort darauf, dass “Die Höhle” gar nicht so phantastisch ist, wie sie erscheinen mag. Die Idee zu einem solchen Buch ist nicht neu, ich trage sie schon seit geraumer Zeit mit mir herum, sah mich aber noch nicht gereift genug, um sie adäquat umsetzen zu können. Das, was die Höhle bewegt, war letzthin Motivation zu meinen Studien in der Psychologie an der Uni Bonn ebenso wie für meine Ausflüge in “Magie” und Schamanismus und durchdringt meine ganze Lebenswirklichkeit. Es taucht in vielen Geschichten und Romanen auf, besonders, natürlich, in den eindeutig phantastischen wie den “Spaltenzungen”. Aber ich konnte dem nicht gerecht werden, wenn ich in die definiert phantastische Richtung ging, denn das, um was es mir geht, ist beständig da, um uns, in uns und geschieht nicht in irgendeinem Fantasy-Setting. Der Hyperrealismus der Krimis ist genauso Teil dieser Welt wie das völlige Abgleiten in Anderwelt, wie es in den “Spaltenzungen” geschieht. Aber es geschieht gleichzeitig, nur die Schwerpunkte liegen je anders. Spalte und Tore nach Anderwelt klaffen in U-Bahnschächten genauso wie in einer indianischen Schwitzhütte beim Eifelindianer Herbie. Beim Halten einer Lesung in einem Schickimicki-Laden nicht weniger als beim Vollmond-Bad in Maria Laach. Auch bei der “Höhle” ist mir die Gradwanderung noch nicht in der Weise gelungen, wie ich es angestrebt habe. Das bleibt dem Genre gestundet, dass gerade die beängstigenden, angsteinflößenden Aspekte in den Vordergrund treten und in der Klimax eine Eindeutigkeit annehmen, die schon fast zu eindeutig sind. Auch wenn ich denke, bei der Gradwanderung nicht abgestürzt zu sein. Die Idee
Der Auslöser, die “Höhle” zu schaffen, war wie so oft ein starkes Erlebnis, dass eine bestimmte Thematik plötzlich wieder ins Zentrum der Aufmerksamkeit rückt und dafür sensibilisiert. Ich war zur Dämmerstunde im Herbst letzten Jahres mit *** an den Höhlen, um ihr diesen wie ich finde sehr besonderen Ort zu zeigen. Es war ein besonderer Tag mit ausgesprochen starken Bewegungen in den tieferen Ebenen, und, wie ich es gerne ausdrücke, der Berg hatte schlechte Stimmung. Als gedankliches Modell sei an eine Personifizierung gedacht. Eben, als wohnte ihn den Höhlen der Ofenkaulen tatsächlich ein Wesen mit einer Form von Bewußtsein. Hat dieses Wesen schlechte Stimmung und möchte allein sein, sorgt es mit Gefühlen und unangenehmen Bildern und Assoziationen dafür, dass etwaige Besucher schnell das Weite suchen. Dazu gehören auch real festzumachende Phänomene wie Windstöße, seltsame Zufälle und verstörende Begegnungen mit Bewohnern des Waldes. In Bäumen und Felsen scheinen sich die Schatten zu Formen zu verdichten, die Angst machen. Massive Ansammlungen abstoßender Insekten, ein wilder Hund, der einen Weg zähnefletschend und geifernd versperrt und herabstoßende Krähen gehören ebenfalls dazu. Alles ringsum schreit: “Verschwinde! Geh nicht weiter! Verpiß Dich!” Man kann sich daran gewöhnen, damit umgehen lernen, in gewisser Weise sogar in Dialog damit treten, versöhnen, Einlass erbitten. Das gehört zum schamanischen Weltbild, das diese Phänomene mit Naturgeistern erklärt, ein wie finde recht praktisches Modell, mit dem man gut arbeiten kann. An jenem Nachmittag war ich allerdings nicht mit anderen “Schamanen” vor Ort, sondern mit einem Menschen, der zwar äußerst sensibel und feinsinnig wahrnimmt, jedoch den Phänomenen bisher weiträumig auswich und keine Erfahrungen im Umgang damit gesammelt hat. Wie ich eine Zeitlang erwog, unter Umständen die Symptome einer schizophrenen Erkrankung zu erleben statt äußere Realität und darum Psychologie studierte, so neigte dieser Mensch dazu, es innerpsychisch zu erklären und lieber zu glauben, nicht richtig zu ticken als anzunehmen, dass seine Wahrnehmung feiner ist. Das Erlebnis war erschreckend. Während ich eher Faszination und eine mit Respekt untermischte Neugier empfinde und gewissermaßen die aufkommenden Ängste als Wegweiser der Verhaltens nutze und die seltsamen Begebnisse als Hinweise und Zeichen, reagierte meine Begleiterin mit unreflektierter Heftigkeit und ohne jeden geistigen Schutz. In der Vergangenheit, als ich die “Phänomene” fast schon mit wissenschaftlichen Methoden untersuchte und gezielt “Probanten” zu bestimmten Zeiten an bestimmte Orte führte, um deren Reaktionen zu beobachten, hatte ich nach einigen ausgesprochen heftigen Zwischenfällen eigentlich den Entschluß gefaßt, keine Unvorbereiteten mehr in so eine Situation zu bringen. Jetzt, zehn Jahre später, wurde mir wieder schmerzlich vor Augen geführt, was mich zu diesem Entschluss gebracht hatte. *** hatte nicht nur einfach nackhaaraufstellende Angst, sie erlebte ungebremste Visionen, erbrach sich, war zeitweise völlig unzurechnungsfähig. Und das parallel zu den Dingen, die ich empfing, aber anders aufnahm. Wo der Berg ein klares Verbot aussprach, einen Ort zu betreten, durchfuhr mich eine Welle von unangenehmer Furcht, gepaart mit einem Bild. Aber es war wie etwas, das gesagt wird. Für *** manifestierte sich das Bild und die Furcht war real und in einer Stärke, wie man sie in unserem normalisierten Leben kaum noch erlebt. Es kostete mich grosse Anstrengung, gewissermaßen ein Schild aufzubauen, um sie dort heraus zu bekommen. Das Erlebnis brachte für mich wieder Dinge ins Bewußtsein, die für mich selbstverständlich geworden waren. Und die Beschäftigung damit schuf letzthin die Grundidee zur “Höhle”. Daß ich sie tatsächlich an dem Ort ansiedelte, wo das reale, zugrunde liegende Erlebnis stattgefunden hat, versteht sich von selbst. Allerdings hat die Geschichte der “Höhle” nur noch in Aspekten etwas mit den realen Begebnissen zu tun – es sind letztlich Jahrzehnte in diese Geschichte mit eingeflossen und die Erfahrungen und Gespräche mit sehr vielen, unterschiedlichsten Menschen. Manuel und Silvia – das Liebespaar
Wannimmer eine explizite erotische Szene in einem Buch oder einer Geschichte vorkommt, hagelt es kurz darauf Fragen, ob das “wirklich” sei und ob die beschriebenen Personen ich selbst und meine Partnerin vorstellen. Ich bin immer wieder fasziniert davon und frage mich, was zu solchen Gedanken führt. Und ich kann darauf nur dieselbe Antwort geben, die ich auch dann gebe, wenn es um andere Personen in meinen Stories geht. Ich schreibe sehr nah an meinem Erleben und meiner Wirklichkeit, und das bedeutet natürlich, dass die Dinge, die ich beschreibe, in meinem Erleben verwurzelt sind. Es wäre nicht falsch zu sagen, daß ich nichts beschreibe, was ich nicht in der einen oder anderen Weise selbst erlebt habe oder aus erster Hand erfuhr. Aber das ist nicht gleichbedeutend damit, daß auch nur eine Figur ein realistisches Abbild einer real exiestierenden Person darstellt. Mehr noch: Genau das vermeide ich bewusst. Natürlich ist Bauer Rowedder aus dem “Gläsernen Sarg” einem manisch-depressiven Freund nachempfunden, was bestimmte Aspekte des Verhaltens und Erlebens angeht. Lange Gespräche und eigene Beobachtungen sind hier eingeflossen. Aber Rowedder selbst ist genauso wie seine Geschichte erfunden, auch wenn diverse Szenen real geschehenen Dingen angelehnt sind. So ist durchaus klar, das Silvias Erscheinung und Charakter irgendwo reale Echos in Partnerinnen von mir haben dürfte, und wahrscheinlich auch, das Aspekte der beschriebenen Beziehung aus verschiedenen selbst erfahrenen Erlebnissen heraus gestaltet sind. Aber es ist immer eine Montage aus verschiedensten Zeiten und Erlebnissen, was am Ende zu einer Person destilliert wird, und ein Grossteil davon ist erfunden, abgeleitet und entwickelt schnell auch eine nicht zu unterschätzende Eigendynamik. Und ob ich bei Vollmond auf der Betonplatte vor dem Höhleneingang Sex gehabt habe überlasse ich der Phantasie des Lesers, beziehungsweise empfehle, es selbst auszuprobieren, denn aus Erfahrung kann ich sagen, dass es kaum etwas schöneres gibt als Sex bei Vollmond am Busen der Natur. Ähnlich verhält es sich mit Manuel. Da seine Innenwelt geschildert wird, ist es unumgänglich, dass er gewisse Parallelen zu mir hat. man kann nur so denken und fühlen wie man denkt und fühlt, und was immer verschiedene Autoren auch sagen mögen, es läßt sich nicht verhindern, dass die eigene Art und Weise, die Wirklichkeit aufzufassen, bei einer Schilderung der Innenwelt einer Person maßgeblich mit ein fließt. Alles andere ist und bleibt notwendigerweise intellektuelles Konstrukt ohne Anspruch auf Wirklichkeit. Effektiv ist das Liebespaar Manuel-Silvia aber ein Konstrukt, um die Geschichte möglich zu machen und gehorcht der inneren Dynamik des Romans. Sie sind einander ein Spiegel, wie es in vielen Beziehungen der Fall ist, und insbesondere Manuel sieht in Silvia die Dinge gespiegelt, die er mehr oder weniger bewusst als seine eigenen menschlichen Schwächen spürt. Dies ist Teil der psychologischen Ebene des Buches und eines der Hauptmovens der Geschichte. Spiegel im Spiegel – die Struktur
“Die Höhle” besteht aus drei Ebenen, die sich untereinander spiegeln und eng miteinander verwoben sind. Die zwischenmenschliche Beziehung von Manuel und Silvia, Manuels Beziehung zu seinem eigenen Inneren und die Berührung der Menschen mit dem “Geist” im Berg. Jede einzelne dieser Ebene spiegelt sich in den anderen wieder und ist zugleich Allegorie für sie. Dei Entwicklung der Geschichte und der Personen vollzieht sich in allen drei Ebenen und changiert zwischen ihnen. Daraus ergibt sich die Struktur der Erzählung, die sich in drei grossen Abschnitten vollzieht, die sich zugleich auch in den Handlungsorten Steinbruch, Wald vor den Höhlen und das Höhleninnere manifestiert. Zugleich sind diese Orte auch Stationen auf dem Weg ins Innerpsychische. Der Roman vollzieht den Gang vom Äußeren in den dunklen Urgrund der Seele, und das zunehmend tiefenpsychologische ist durch die zunehmende Phantastik in der Erzählung symbolisiert. Je nachdem, wie man “Die Höhle” interpretieren möchte, hat man entweder eine Geschichte vor sich, die sich mit der Magie in unserer Welt auseinandersetzt oder einen tiefenpsychologischen Roman über die Ängste und Neurosen des heutigen Menschen. Beide Interpretationsweisen sind “richtig”, wenn hier soetwas wie “richtig” oder “falsch” überhaupt anzulegen ist. Das äußere Kleid, das letztlich das Lesevergnügen schafft, ist das eines klassischen Schauerromans mit allen Elementen, bei denen sich der Leser hoffentlich ordentlich einer Gänsehaut erfreuen kann. EntstehnungsdatenDie Höhle ist vollständig im Manuscript entstanden, ich arbeitete am Text vom 16.02. bis zum 01.06.2011 und füllte drei Moleskine-Notizbücher mit dem Manuscript. In der ersten Juniwoche übertrug ich es in den Rechner und begann gemeinsam mit Alexander Lebedev die Illustration. Die letzte Illustration ist Ende Juli entstanden. In den Wochen danach lektorierten Freunde das Buch und ich schliff den Text, nachdem ich die Lektorenexemplare zurück erhielt, den Text noch einmal. Fertig war der Roman Ende August. Die Satzarbeiten und die Gestaltung bis zum fertigen, ausbelichtbaren Buch dauerten bis Anfang Oktober. Am 14. ging das Buchinnere in die Druckerei, die Gestaltung des Covers war am 20. Oktober abgeschlossen. Das Buch wurde am 26.10.2011 bei Meierdruck Hennef auf einer Heidelberg Offset-Letterset 64x89cm Zylindermaschine, Baujahr 1963, gedruckt, die nicht nur wunderschön ist, sondern auch ganz hervorragende Drucke liefert. Für die Interessierten hier eine kleine Galerie, wie das Buch gedruckt wurde:
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[Norman Liebold,
29.10.2011 |
Von Norman Liebold geschrieben am: 15.08.2010 unter Ansichten eines Aktmodells, Euthanatus, Hintergründe
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Der “Euthanatus” ist einer der Novellen, die eine überaus lange Geschichte hinter sich haben. Die erste Idee entstand 1998 während verschiedener Gespräche mit Martin Herweg und Jens Finkhäuser auf dem Dach meiner Mansarde in Aachen, als wir über Anton Szandor LaVeys “Satanic Bible” diskutierten, insbesondere über die von ihm beschriebenen Psychischen Vampire. Seitdem beschäftigte mich das Thema immer wieder, sowohl auf persönlicher wie auch besonders auf literarischer Ebene, und es fand Eingang in einer ganzen Reihe von Texten wie, zum Beispiel, der “Vampyriade” (1999), Der Wanderer und das Meer (1999), Heimgang (1999), Zwei Schwestern (1999), Mond und Wolf (2000), Incubus (2003), “Venusberg” (2007). Eine ganz besondere Begegnung mit einer Strassenbahn bewirkte 2008, daß ich mich sehr intensiv erneut mit den Psychischen Vampiren, ihren Methoden und Strategien und insbesondere den Folgen für ihre Mitmenschen auseinandersetzte. Der Titel – “Euthanatus” – geht auf einen Neologismus von Martin Herweg zurück, den er für jemanden erfand, der es sich zur Aufgabe macht, diese Energievampire aufzufinden, zu jagen und zu eleminieren. Tatsächlich erwogen wir damals vor 12 Jahren durchaus, selbst zu Euthanati zu werden. Bei mir wurde die Idee letztlich zu dieser Geschichte, und 12 Jahre Zeit der Reifung schufen eine Tiefe und Facettenreichtum in den Charakteren und ihrer Entwicklung, die mich diese Geschichte mit Stolz in Händen halten lassen. Die “Ansichten eines Aktmodells”Der “Euthanatus” ist die erste Novelle im Episodenroman “Ansichten eines Aktmodells”. Im Kontext der Romanhandlung nimmt sie die Station des Umbruchs ein: Durch die Begegnung mit dem Euthanatus wird der Protagonist aus seiner Welt geschleudert und ein tiefer Zweifel an sich und seiner bisherigen Lebensweise in ihm geweckt. Er begibt sich in existenzieller Angst vor dem Getötetwerden auf eine Flucht, die von Ort zu Ort hetzt, nie lange verweilt, um für den Euthanatus nicht auffindbar zu sein. Und diese Flucht wird ihm zu einer Reise, die er mit neuen Augen antritt, und die ihm seinem wahren Selbst mit jeder weiteren Geschichte näher bringt – bis er sich selbst befreit haben wird. Wie alle Geschichten aus den “Ansichten eines Aktmodells” ist auch der “Euthanatus” für sich völlig eigenständig und kann auch unabhängig von der Rahmenhandlung gelesen werden. Die Illustration des “Euthanatus”Der Künster Junus Karimow, der Meister Norman Liebolds, was realistisches Zeichnen angeht, konnte für die Illustration des Euthanatus gewonnen werden. Er schuf eine Reihe von sieben Graphit-Zeichnungen in A2. Die Zeichnungen sind allesamt Portraits von Norman Liebold, die Karimow in seiner zugleich realistischen wie abstrakt-kubistischen Manier bewußt verfremdete. Sie stellen den Euthanatus dar, wie er sich dem Auge des Erzählers zeigt. Der Illustrationszyklus spielt mit der Idee im Euthanatus, daß im Grunde Erzähler und Euthanatus dieselbe Person ist, die sich über menschliche Abgründe hinweg spiegelt – die Verfremdungen zeigen verschiedene Interpretationen vom Gesicht des Autors. Eine weitere simultan-komplexe Illustration schuf die Künstlerin Katharina Theine, mit der Norman Liebold bereits seit Jahren zusammen arbeitet. Sie verbildlichte eine symbolische Interpretation des Euthanatus in ihrer Lieblingstechnik, dem Bleistift, wobei sie für die verschiedenen Gesichter des Killers verschiedene Portraits von Robert Louis Stevenson als Vorbild nahm, dessen “Dr. Jekyll and Mr. Hyde” für Liebold eine der literarischen Anspielungen darstellt. Örtliche AnsiedlungDer Protagonist begegnet dem Euthanatus auf der Terasse des Bundesgästehauses “Petershof” auf dem Petersberg kurz nach dem 01. Mai während es im Bonner Raum statt findenden grossen Konzeptfeuerwerks “Rhein in Flammen”. Die ausgekoppelte Novelle, die als eigenes Buch erschienen ist, reiht sich damit in Liebolds Siebengebirgskrimi-Reihe als fünftes Buch ein. Der Verlauf des Feuerwerks vom ersten Dämmern, über das langsam den Rhein hinaus kommende bengalische Feuer, die ankommenden Vergnügungsschiffe bis zum eigentlichen Feuerwerk bilden den zeitlichen Rahmen der Geschichte und illustrieren den Spannungsbogen. |
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[Norman Liebold,
15.08.2010 |
Von Norman Liebold geschrieben am: 20.04.2010 unter Beorn, Hintergründe
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Die erste Skizze von “Versichert” notierte ich am 10. Februar 2009 in mein Tagebuch. Die Skizze ist bereits fest umrissen und enthält alle wesentlichen Elemente der Geschichte, das Setting und die Höhepunkte. Nur über das Ausgestalten des Endes sind mehrere Möglichkeiten festgehalten. Bis zum Beginn der Niederschrift am 03. April 2010 notierte ich immer wieder Überlegungen in Bezug auf den Stil, die Personen und insbesondere das Dilemma des Endes. Die letzten entscheidenden Puzzlestücke kommen Schlag auf Schlag, nachdem ich im Februar 2010 eine fast absurd parallele Situation erlebte, wie sie ein Jahr zuvor die Grundidee zur Geschichte schuf. Ich lerne Maxim Spektor, Landi “Graywolf” Landefeld und den Bildhauer und Lichtkünstler Michael F* kennen, die genau jene Eigenschaften besitzen, die der Figur des Beorn den letzten Schliff geben. Die Niederschrift geht schnell: Vom 03. bis zum 15. April 2010 schreibe ich die Story von Hand auf 98 Manuscriptseiten, übertrage sie am 16. und 17. April in den Rechner und trage sie auf der Premierenlesung am 17. April in den “Vier Raben” (Köln) gemeinsam mit dem Gitarristen und Liedermacher Bernd Gast vor. Schauen Sie in Norman Liebolds Schreibwerkstatt und lesen Sie die Werkstattberichte in seinem “LieBLOG”: Werkstattberichte zu “Beorn” lesen >>>! [Zum Rest des Beitrages! »] |
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[Norman Liebold,
20.04.2010 |
Von Norman Liebold geschrieben am: 17.05.2009 unter Hintergründe, Navigator
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[Dieser Artikel ist der 2. von 2 Teilen in der Reihe Hintergrund Navigator]
Technologische Aspekte„Navigator” ist kein Weltraummärchen, das seinen Reiz auf der einen Seite aus althergebrachten Erzählmustern und auf der anderen aus der Beschreibung wundervoller oder beängstigender Technologien bezieht, wie es sie in fünfzig, hundert oder tausend Jahren geben mag. Und auch keine als Sience-Fiction verkleidete Fantasy-Geschichte. Ich habe ganz bewusst darauf verzichtet, auch nur ansatzweise dergleichen Momente zu bedienen und damit in Kauf genommen, dass die Geschichte vielleicht für manche nicht unterhaltsam genug sein könnte – es gibt keine Liebesgeschichte, kein Ringen zweier gegensätzlicher Parteien, kein kriminalistisches Rätsel, kein Sex, kein Crime. Ich bin, was die Faszination für Zukunfts-Technologie angeht, sogar noch weiter gegangen als Bradbury, Orwell oder Huxley: Während diese drei Autoren in ihren Dystopien Technologien beschreiben und essentiell für die Handlung machen – so Huxley die Züchtungsverfahren, Orwell die für seine Zeit noch unmöglichen Überwachungstechnologien oder Bradbury die Kriegs- und Unterhaltungsmaschinerie – habe ich in „Navigator” ausschließlich Technologie verwandt, wie sie heute bereits existiert. Es hat mich diesbezüglich bei den Lesungen und Leserbriefen durchaus in Erstaunen versetzt, dass etliche der von mir beschriebenen Geräte nicht nur sehr futuristisch wirkten, sondern dass ihre Umsetzbarkeit sogar in den Bereich weiter Ferne gerückt wurde. Aus diesem Grund möchte ich an dieser Stelle einige dieser Dinge erläutern.
Soziologische AspekteUnsere Wirtschaft versucht, die Produktion immer effizienter zu gestalten, um einigen wenigen eine immer größere Gewinnmarge zu verschaffen. Sie ist nicht darauf ausgerichtet, den größtmöglichen Wohlstand für die größtmögliche Menge zu erreichen. Dass dieses System auf Dauer nicht funktionieren kann, ist bekannt. Sei es aufgrund des Raubbaus an Natur und Ressourcen, sei es, weil der Markt nicht unendlich expandieren kann, sei es, weil die Technik darauf ausgerichtet wird, mit immer weniger Menschen immer mehr Waren produzieren zu können. Wirtschaftskrisen zeigen deutlich, dass dieser auf beständigen Wachstum eingenordete Wahnsinn zwangsläufig darauf hinaus läuft, dass es eine Unzahl an Arbeitslosen gibt, von Maschinen überflüssig gemacht. Würde man damit ähnlich umgehen, wie es Thomas Morus schon 1516 formulierte und Etliche nach ihm immer wieder empfahlen – nämlich die so gewonnenen Güter gleichmäßig zu verteilen und die auf diese Weise frei gewordene Zeit der einzelnen zur Bildung und Kultivierung des Menschen zu verwenden – eine wundervolle Sache. Allerdings gilt heute noch im selben Maße, was Friedrich Engels im 19. Jahrhundert formulierte, nur in noch verstärkterem Maße.
Im Moment werden auf der Basis der „sozialen Marktwirtschaft” gewisse Teile der Gewinnmargen so umverteilt, dass diejenigen notdürftig versorgt werden, die ansonsten verhungern müßten. In Deutschland mit seine relativ niedrigen Arbeitslosenzahl schätzungsweise 4 Millionen Erwachsene. Würde das nicht getan, hätte man ein erhebliches Potential an genügend unzufriedenen Menschen, die nichts zu verlieren hätten, um eine Revolution unausweichlich zu machen. Die ersten Schritte, diese ungeheure Anzahl von Menschen (man muss noch die von ihnen anhängige Anzahl an „nicht Erwerbsfähigen” hinzuzählen) zu verschleiern, werden aktuell bereits getätigt. „Nicht Vermittelbare” werden, z.B., ebenso aus den Statistiken heraus genommen wie die in „Arbeitsgelegenheiten” beschäftigten. Es liegt im Interesse von Aktionären und Produktionsmittel-Besitzern, die aktuellen Strukturen aufrecht zu erhalten, gleichgültig, wieviele Menschen dadurch verelenden, denn nur sie gewährt die Umverteilung der Güter in der haarsträubenden Weise, wie wir sie heute beobachten können. Ich gehe nicht davon aus, dass sich die Welt wie im „Navigator” entwickeln wird, aber sollten sich die Bedingungen nicht grundlegend ändern, stellt sich früher oder später die Notwendigkeit ein, das tatsächliche Ausmaß der Arbeitslosigkeit zu verbergen, um „weitermachen” zu können.
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[Norman Liebold,
17.05.2009 |
Von Norman Liebold geschrieben am: 17.05.2009 unter Hintergründe, Navigator
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[Dieser Artikel ist der 1. von 2 Teilen in der Reihe Hintergrund Navigator]
Der Moment, an dem ich mich entschloss, den „Navigator” nieder zu schreiben, kann ich ziemlich genau festmachen – der 17. Mai 2008. Ein anderer Moment, der die Geschichte befruchtete, war eine Autofahrt im Januar 2008, als ich mit einem Freund zu einem Seminar in den Ruhrpott fuhr. Und wir, trotzdem scheinbar alle Angaben, die uns das Navigationsgerät gab, durchaus zu stimmen schienen – immerhin ließ es uns nicht in Gräben und Sackgassen manövrieren – gänzlich woanders heraus kamen. Statt an einer kleinen, alten Burg in irgendeiner neu gebauten Siedlung 30 Kilometer weiter. Ich selbst hatte wenig Erfahrungen mit diesen Geräten, ich lehne sie aus ähnlichen Gründen ab, aus dem ich kein Automatik-Getriebe haben wollte oder anderen technischen Schnickschnack, der mir augenscheinlich Arbeit abnimmt, mich aber bei genauerem Hinsehen um wichtige Kompetenzen bringt. Als ich dann begann, herum zu fragen, stellte sich heraus, dass diese Erfahrung keine Besonderheit ist. Weitaus interessanter fand ich jedoch die Beobachtung in meiner Eigenschaft als fleißiger Mitnehmer von Mitfahrern. Menschen, die Strecken dutzendfach mit Navigationsgerät gefahren waren, sahen sich außerstande, mich in ihrer Heimatstadt so zu lotsen, dass ich sie – freundlich wie ich bin – vor ihrer Haustür absetzen konnte. Ich beobachte auch zunehmend, dass sich mehr und mehr Leute auf solche Dinge wie Googlemaps zu verlassen scheinen, um sich davon sogar die „perfekte” Route aussuchen zu lassen. Die Frage drängte sich geradezu auf, was geschehen würde, wenn Karten nur mehr in digitaler Form vorlägen. Und man sie – aus welchen Gründen auch immer – manipulierte. Im Falle von militärischen Objekten wird dies selbstverständlich getan. Wenn allerdings der relevante Teil der Bevölkerung diese Karten und die Navigationsgeräte als ausschließlichen Realitätsabgleich haben, liegt es in der Hand derer, die diese Karten kontrollieren, die Wirklichkeit der Menschen zu gestalten. Die damit einhergehende Macht wäre größer als die der Kirche im Mittelalter, denn die Menschen glauben, dass alles gänzlich transparent ist und suchen noch nicht einmal mehr nach Alternativen. Bereits für „Dichterbrand” (erschienen Januar 2008) und „Krimifrass” (erschienen Oktober 2008) recherchierte ich im Bereich der Arbeitslosigkeit, der sozialen Gerechtigkeit und der sogenannten „1-Euro-Jobs”. Die Tatsachen empfand ich als zutiefst erschreckend, verfolgte die aktuelle Entwicklung und musste mir immer wieder die Frage stellen, was die Regierung mit solchen Reformen beabsichtige, da die Folgen auf der Hand liegen. Der Missbrauch dieser Arbeitskräfte wurde an vielen Stellen publik und zeigte die Möglichkeit eines – harmlos formuliert – „neuen Billiglohnsektors”, oder – hart Formuliert – eines neuen Sklavenstandes, der zusätzlich noch zur Schönung der Arbeitslosenzahlen dient. Der Wahnsinn und die Idiotie unseres Wirtschaftssystems, das immer mehr entmenscht, ließ die im „Navigator” beschriebene Vision schon fast in den Bereich des Wahrscheinlichen rücken. Letztlich existieren dergleichen Zustände schon zum Teil, und das existierende ist in der Novelle lediglich weitergedacht worden. Aus diesen sehr realen und sehr aktuellen Thematiken eine Dystopie zu machen, lag in der Thematik selbst. Zum einen, weil eine realistische Darstellung des Jetztzustandes die Gefahr der Polemisierung in sich barg, zum anderen aber, weil die Versetzung in eine nicht allzu ferne Zukunft nicht nur die Freiheit der Überzeichnung bietet, sondern darüber hinaus auch erlaubte, eine Reihe weiterer, verwandter Thematiken mit einzubringen – insbesondere die gesteigerte Technikabhängigkeit, wie sie für die nähere Zukunft zu erwarten ist. |
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[Norman Liebold,
17.05.2009 |
Von Norman Liebold geschrieben am: 17.05.2008 unter Gläserner Sarg, Hintergründe
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[Dieser Artikel ist der 2. von 2 Teilen in der Reihe Hintergrund Gläserner Sarg]
Der Paratext zum »Gläsernen Sarg« ist selbstverständlich George Orwells »1984«. Nichtsdestotrotz sind auch andere Texte als direkte Zitate in die Erzählung eingeflossen. In der mit “Carpe Noctem”1 begonnenen umfassenderen Dokumentation zu den einzelnen Geschichten an dieser Stelle die maßgeblichen Quelltexte und die wortwörtich im Text zitierten Stellen.
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[Norman Liebold,
17.05.2008 |
Von Norman Liebold geschrieben am: 06.04.2008 unter Gläserner Sarg, Hintergründe
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[Dieser Artikel ist der 1. von 2 Teilen in der Reihe Hintergrund Gläserner Sarg]
Es zeigt sich beim “Gläsernen Sarg” zum ersten Mal der Nutzen, bestimmte Erlebnisse und Ideen im LieBLOG festgehalten zu haben – ich kann erstmals genau sagen, wann ich die Idee zum “Gläsernen Sarg” hatte: Am 16.07.2007, als mir ziemlich genau das widerfuhr, was Bauer Rowedder in den ersten drei Kapiteln am Germscheider Steinbruch erlebt und was die Geschichte in Gang bringt. Trotzdem ich mich seit geraumer Zeit näher mit den Blüten des Überwachungsstaates und dem Phänomen “Stasie 2.0″ beschäftige und eine Novelle darüber zu schreiben beabsichtigte, war das eben jenes Erlebnis, das den gewissen Groschen fallen ließ. Das ganz spezielle Quäntchen Absurdistan, dass als Keimzelle betrachtet werden kann, als jener erste Tropfen Quecksilber, der Stück um Stück weitere Tröpfchen an sich zieht und immer mächtiger wird – so mächtig schließlich, dass der Drang, die Geschichte aufzuschreiben, übermächtig wird. Dass die Geschichte in mir arbeitete, zeigt sich auf amüsante Weise darin, dass, als ich am »Dichterbrand« schrieb, mein fiktiver Schriftsteller Richard Beckmann keine andere Geschichte geschrieben hat, als eben den »Gläsernen Sarg«. Und so ist es auch nicht verwunderlich, dass ich, kaum dass der »Dichterbrand« fertig gestellt war, sofort mit den Recherchen für den »Gläsernen Sarg« begann. Dass man in Deutschland versuchen könnte, einen zweiten 11. September zu inszenieren, um endlich einige Gesetze durchzubringen, ist letzthin nur die konsequente Fortsetzung des Gedankens, dass die Bürger absichtlich in Angst und Schrecken gehalten werden, um den Status mehr Zugriffsrechte auf private Daten zu verschaffen. Eine Entwicklung, die, wie ich finde, seit dem Terroranschlag auf das World Trade Center ganz erschreckende Formen angenommen hat. Warum der Lange Eugen? Während ich an der Konstruktion der Geschichte arbeitete, wurdeich mehrfach gefragt, warum ich ausgerechnet den Langen Eugen attackieren wollte, und nicht etwa den Post-Tower – der doch viel mehr an das World Trade Center erinnert und auch sonst wesentlich beeindruckender ist. Die Antwort ist darauf relativ einfach. Der Lange Eugen war vor den Berlin-Umzug das Bürogebäude für die Abgeordneten des Deutschen Bundestages. Er wird damit zum Symbol für den Rechtsstaat, der bis vor wenigen Jahren versuchte, die Menschenrechte hochzuhalten und der sich strikt weigerte, an kriegerischen Auseinandersetzungen gleich welcher Art teilzunehmen. Abgesehen davon war noch zwei andere Umstände dafür verantwortlich, dass sich die Transall in das Hauptgebäude des UNO-Campus rasen lasse. Zum einen natürlich die UNO selbst, die sich als Inbegriff einer weltweiten, sich für den Frieden einsetzenden Institution für diesen doppelten Angriff in allegorischer Weise anbietet, denn ihre Ziele werden ad absurdum geführt, wenn Angriffs-Kriege wie gegen den Irak und Afghanistan von ihr geduldet werden müssen. Zum anderen: ist es vielleicht schon einmal aufgefallen, dass das UNO-Logo, das oben auf dem Gebäude prangt, entschieden wie eine Zielscheibe ausschaut? Natürlich kann und möchte ich nicht behaupten, dass dergleichen durch die Regierung wirklich in die Wege geleitet werden könnte. Es ist nichts anderes als ein Gedankenexperiment, eine Dystopie in deer Tradition von ’1984′ oder ‘Brave New World’1 Dergleichen Überlegungen lassen, und das vielleicht nicht unberechtigterweise, auch an diesbezügliche Übertreibungen und Verschwörung-Theorien denken. Oder sogar an paranoide Wahnvorstellungen. Das ist ein Grund, weshalb ich mir als Protagonisten einen psychisch Kranken wählte, der dafür prädestiniert ist. Denn indem ich die Novelle aus seiner Sicht schreibe, halte ich die Möglichkeit offen, dass es sich in der Tat um nichts als Wahnvorstellungen handelt oder gar um Halluzinationen. Hinzu kommt eine Frage, die mich immer wieder beschäftigt: nämlich die, wo Charakter aufhört und Wahnsinn beginnt, beziehungsweise wann man jemanden denn überhaupt als verrückt bezeichnen könnte. Diese Fragestellung und das Spielen mit dieser Grenze ist ein wesentlicher Bestandteil der Geschichte: Bis zum Ende bleibt offen, was und wie viel vom Geschehen objektiv passiert ist, und wann es sich um die verzerrte Wahrnehmung Rowedders handelt oder gar um tatsächliche Halluzinationen. Insbesondere all das, was nach seinem Wutausbruch in der Gedenkstätte Wachtberg geschieht, bewegt sich in dieser Grauzone. Das ist auch in gewisser Weise ein Schutz für mich selbst, da das Szenario, was ich zeichne, doch schon recht »grenzwertig« ist und subversiv, wie Frau Adele Wischner von der Rundschau bei der Buchvorstellung meinte – über den Umweg, dass es sich theoretisch nur um eine Wahnvorstellungen handeln könnte, sichere ich mich ein wenig ab.2 Auch dies ein Grund, weshalb ich in der Beschreibung des Inneren vom Langen Eugen und des Ahr-Bunkers absichtlich von der Realität abweiche. Mit dem Anfangspunkt des Steinbruchs, dem Endpunkt der Zerstörung des langen Eugen und dem Wahnsinn des Protagonisten als Filter sind die drei Grundpfeiler der Novelle umrissen, an denen ich das Handlungs-Gerüst aufhängen konnte. Dieses Gerüst stand etwa Oktober 2007, und sammelte seitdem ständig Details, Anekdoten und Beobachtungen um sich. Dass ich letztlich einen manisch-depressiven Bauer als Protagonisten wählte, hat vielleicht mit dem Phänomen zu tun, dass, wenn man an einer Geschichte arbeitet, entweder die eigene Sicht alles auf diese Geschichte bezieht, oder aber tatsächlich die Welt bestimmte Menschen und Ereignisse in den Weg legt, die bedeutungsvoll für die Erzählung werden.3 Nachdem für mich feststand, dass die Hauptperson, aus deren Sicht ich schreibe, in den Augen des Lesers irgendeiner Form des Wahnsinns sein Eigen nennen musste, wurde ich von verschiedensten Seiten auf das Phänomen der bipolaren Störung aufmerksam gemacht, an deren Formen bekanntermaßen mehr als vier Millionen Deutsche erkrankt sind. Ich hatte das große Glück, von zweien mir sehr lieben Menschen das innere Erleben aus erster Hand und in sehr nachzuempfindener Weise geschildert zu bekommen, und ich hoffe, dass ich dem in der Gestaltung meines Charakters gerecht geworden bin.4 Die ein oder andere Szene wurden von den Schilderungen inspiriert. Die fiktive Person Rowedder hat nicht das geringste mit lebenden Personen zu tun, sie ist eine frei erfundene Figur, die ich speziell zum Zwecke dieser Geschichten-Konstellation und nach deren Anforderungen kreiert habe. Es darf dabei auch nicht vergessen werden, dass das Erleben der manisch-depressiven Störung ein nicht geringes Echo in mir selber fand, denn es würde mich nicht verwundern, wenn das auf und ab von wild an einem Projekt arbeiten einerseits und dem nachfolgenden, zum Teil mehrere Wochen andauernden ausgebrannt sein durchaus Parallelen aufwiese – ohne eine solche Parallelität hätte ich mich, glaube ich, nie vermessen, eine solche Figur beschreiben zu wollen.
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[Norman Liebold,
06.04.2008 |
Von Norman Liebold geschrieben am: 10.02.2008 unter Dichterbrand, Hintergründe
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[Dieser Artikel ist der 5. von 7 Teilen in der Reihe Hintergrund Dichterbrand]
Am 19.09.2007 vermerkte ich in der Fußnote zur geraden abgeschlossenen Szene mit Gay Einzahn und Joy Blauauge: „Das Erscheinen des Rufmords schätze ich auf Mitte Oktober, Anfang November. [...] Das Romänchen dürfte etwas um die 80 Seiten haben [...]” (Zum Post springen >>>) Das waren zwei Wochen, nachdem ich mit dem Schreiben begonnen hatte. |
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[Norman Liebold,
10.02.2008 |
Von Norman Liebold geschrieben am: 10.02.2008 unter Dichterbrand, Hintergründe
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[Dieser Artikel ist der 4. von 7 Teilen in der Reihe Hintergrund Dichterbrand]
Ich kann nicht leugnen, dass es mir Freude macht, diejenigen Assoziationen und aufgerufenen Paratexte, die ein von mir bearbeiteter Stoff berührt und im Leser möglicherweise wachruft, auch direkt in den Text mit einzubeziehen und mit dem Geflecht, das sich intertextuell daraus ergibt, auf selbstgefällig intellektuelle Art herumzuspielen [Zum Rest des Beitrages! »] |
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[Norman Liebold,
10.02.2008 |
Von Norman Liebold geschrieben am: 10.02.2008 unter Dichterbrand, Hintergründe
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[Dieser Artikel ist der 3. von 7 Teilen in der Reihe Hintergrund Dichterbrand]
Spätestens, seit der Generalanzeiger am 18. Januar 2008 über den seltsamen tintenfuchsenden Kauz im Siebengebirge berichtete [Artikel lesen >>>], der in einem Wohnwagen lebend einen Krimi schreibt, bei dem ein seltsamer tintenfuchsender Kauz im Siebengebirge, der in seinem Wohnwagen lebend Bücher schreibt, in die Luft fliegt,1 stellten sich wohl die letzten die Frage: Wie viel Autobiographie steckt da drinnen?
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[Norman Liebold,
10.02.2008 |