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[Dieser Artikel ist der 7. von 8 Teilen in der Reihe Hintergrund Dramen]

Hintergrund Dramen - Inhaltsverzeichnis

Dramen – 1. Einführung
Dramen – 2. Bardentod
Dramen – 3. Narrenwahn
Dramen – 4. Pluto und Hyronimus
Dramen – 5. Politicon
Dramen – 6. Spiegelbruch
Dramen – 7. Totentanz
Dramen – 8. Zirkeltänze

Entstanden Anfang 2000
Uraufgeführt am 22.02.2000 (20:00 bis 22:00) im CVJM Siegburg mit
Martin Herweg als “Marionette”.
Enthalten in Dramen.
Artikel zur Uraufführung.


17-Apr-2005 15:29

Der “Totentanz” ist etwas ganz besonderes für mich. Was vielleicht weniger mit dem Stück an sich, sondern mehr mit den Ereignissen zusammenhängt, die zu ihm führten und insbesondere seine Aufführung am 22.02.2000 um 20:00 bis 22:00 begleiteten.
Das Stück war auch in literarischer Hinsicht etwas Neues, ebenso wie es das erste Stück war, das “dramatisch” zu nennen ist und in dramatischer Form von mir auf die Bühne gebracht wurde. Zwar trat ich seit 1995 regelmäßig auf, aber vor allem mit Lesungen, nicht mit Bühnenstücken.
Das Stück markiert also für mich sowohl in literarischer, auftrittstechnischer wie auch besonders menschlicher Hinsicht einen heftigen Wendepunkt, und daß das Stück genau dies auch zum Thema hat, und auch bühnentechnisch Realität mit Fiktion überschneiden läßt, verstärkt diesen Effekt noch.
Heute ist der 22.02.2006, exakt sechs Jahre nach diesem inszenierten “roten Strich”. Und diese Hintergrundseite ist – amüsanterweise – zugleich die letzte der Hntergrundseiten, die für die alten Stücke noch abzuarbeiten ist – eine Arbeit, die immerhin nichtweniger als anderthalb Jahre dauerte und auf ihre Weise auch eine Form von “Totentanz” darstellte.
Nicht anders als in den Monaten vor der Aufführung des “Totentanzes” wälzte sich auch in den letzten Monaten vor diesem aktuellen Moment mein Leben tiefgreifend um und um, so daß die leicht mystisch angehauchte Sichtweise auf den Totentanz, die auch zu seinem auf lauter zweien aufgebauten Aufführungsdatum führte, sich durchs Hintertürchen wieder einschleichen will. In der Tat stehe ich damals wie heute davor, literarisch und lebenstechnisch neue Wege zu beschreiten, und ich möchte hoffen, daß diese letzte Seite in den alten Hintergründen eine ähnlich positiv “rituelle” Wirkung zeigt, wie es damals der “Totentanz” schaffte.

Eigentlich sollte alles ganz anders werden

Ursprünglich war für das Datum ein anderes Stück angesetzt, daß ich gemeinsam mit meiner damaligen Theatergruppe aufzuführen gedachte.
Leider explodierte auf menschlicher Seite eine Bombe unter den Schauspielern, die nicht nur die Theatergruppe zersprengte, sondern mich zudem einen Großteil meines damaligen Freundeskreises kostete. Die Trauer, Enttäuschung und Wut, die das auslöste und zugleich die Verpflichtung der Bühne gegenüber, die ich für das Theaterprojekt eingegangen war, führten dazu, daß ich den “Totentanz” (der mit zwei Schauspielern auskommt) in regelrechter Schreib-Wut zuende brachte, darin meinen ganzen Welt-Haß auskotzte und mir den Text einprügelte.
So kam es dazu, daß an nämlichen Datum der “Totentanz” aufgeführt wurde. Er ist kein echtes Theaterstück, sondern ein sehr langer, sehr bitterer Bühnen-Monolog, der alles und jeden in den Dreck zieht und seinen Haß ins Publikum speiht. Das hatte inszenierungstechnisch den Vorteil, daß ich weite Passagen lesen konnte, die Bühnensituation mit meinem eigenen Wunsch, genau so ein Weltschmerzgeschrei den betreffenden ins Gesicht zu brüllen zu vereinen imstande war und das Ganze tatsächlich für mich den Effekt einer “Katharsis” besaß – und zudem dem Publikum ausgesprochen viel Spaß machte.
Kurz nach dem Totentanz gründete ich eine neue Theatergruppe – “Amator Veritas” – mit der ich nicht weniger als viereinhalb Jahre eine wunderbare Zeit verbrachte und unzählige Aufführungen realisieren konnte. Vor der Aufführung begegnete ich zum ersten Mal der Frau, die für ebenfalls viereinhalb Jahre meine Partnerin wurde – sowohl auf der Bühne als auch im Menschlichen. Und zugleich machte ich reinen Tisch mit meiner Umgebung, was die Menschen anbelangte.

Aufbau und Inhalt des Stücks

Das Stück besteht aus vier Teilen:

Stilistik

Der ganze Totentanz ist in stabreimenden Versen geschrieben, und es ist damit der erste Text, in dem ich diesen Stil benutzte, der zum einen nicht das “schwierige Lesen” von Lyrik besitzt, sehr wohl aber ihre metrische Druchschlagskraft und Bilddichte.
Für den Abdruck in den Dramen wurde die Versstruktur jedoch – wie bei den meisten der in diesem Stil abgefaßten Texte – aufgebrochen und als geschlossener Text behandelt. Das tut diesem Stil keinen Abbruch, denn er ist streng genommen metrisch durchgearbeitete Prosa, aber für den Vortrag greife ich trotzdem stets auf die Versversion zurück.

Ausstrahlungen

Wohl aufgrund der persönlichen Bedeutung, die diese Auführung für mich hatte, wurde sie in der literarischen Welt des Nâhtegal zu einem Topos. So beschreibt das letzte Kapitel der Sieben Kelche von 2001 den Totentanz als literarische Fiktion, und auch in anderen späteren Nâhtegal-Texten wird auf ihn Bezug genommen.
Das ist nicht weiter verwunderlich, bedenkt man die Stärke, mit der der “Totentanz” für mich symbolisch aufgeladen war, wie sehr er einen markanten Schnittpunkt bildete in nahezu sämtlichen Lebensbereichen – auch im literarischen Schaffen.

Das Bühnen-Spiel

Ich vermengte in Text und Inszenierung Realität mit Fiktion. Die Figur des suiziden Barden, der nicht mehr leben will und sich seinen eigenes “Requiem” schafft, indem er die Leute unter Vorspiegelung eines “literarischen Abends” in seinen Abgesang hineinlockt, glich meiner eigenen Situation.
Ich fingierte übertrieben, was sich tatsächlich abspielte wobei effektiv die Bühnensituation nicht “erlogen” war, denn das Stück versprach genau dies. Trotzdem blieb es natürlich Fiktion, und vielleicht war es eine “höfliche Weise”, das zu erledigen. Auch wenn ich mich lebhaft an den Esotheriker Malte erinnere, der gemeinsam mit seinem Freund entrüstet die Auführung verließ und mir später erklärte, ich hätte ihm “das Sonnengeflecht durchblasen” – vielleicht war er einer der wenigen, die spürten, daß ich in der Tat nicht nur spielte, sondern zum Teil echten Welthaß herausschrie.


Für diejenigen Leser, die Freude an soetwas haben, stelle ich den vollständigen Text des “Totentanzes” an dieser Stelle online. [Den “Totentanz” lesen! (PDF)]


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[Norman Liebold, 14.02.2006
Dramen, Hintergründe
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Dramen – 7. Totentanz

DER SCHRIFTSTELLER NORMAN LIEBOLD

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