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24-Apr-2007 18:34

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Der “Incubus” gehört zu den Geschichten, die über Jahre hinweg gären und erst nach langer Zeit jenen Punkt der Reife erlangen, der den Impuls zur Niederschrift auslöst. Aber er unterscheidet sich von Erzählungen wie “Die Sieben Kelche” dadurch, daß in den Jahren der Gärung keine Geschichten niedergeschrieben und veröffentlicht wurden, die beim Wachsen der Handlung gewissermaßen “abfallen”.
Es wurden viele Fragen gestellt nach den “realen Geschehnissen” hinter der erfundenen Geschichte, insbesondere, weil der Roman “Den Mönchen des Klosters Kornelimünster” gewidmet ist, und er in einem Benedektiner-Konvent spielt. Aber wenngleich ich dem Konvent Kornelimünster, insbesondere Pater Friedhelm und Pater Olliver, sehr viel Hilfe bei den Rechergen zu verdanken habe, so sind jegliche Suchen nach Parallelen mit der Romanhandlung völlig unangebracht. Meines Wissens existieren keine Buhlteufel in Kornelimünster ;-) .
Vielmehr ist meine Faszination und meine Achtung für das monastische Lebenskonzept nicht nur dafür verantwortlich, daß ich die Kulisse eines Klosters wählte, sondern auch dafür, daß ich mehrere Monate in einem Benedektiner-Kloster lebte und auch heute noch regen Kontakt zu den Brüdern des Heiligen Benedikt pflege.

Der Roman befaßt sich letztlich mit der egozentrischen, selbstbezüglich-ignoranten Denk- und Handlungsweise eines pubertierenden jungen Mannes, der zu Verstiegenheit und extremen Sichtweisen neigt und mit sich und seinen Problemen mangels Selbsterkenntnis besonders in Bezug auf menschliche Beziehungen nicht umzugehen vermag. Und der Rückschluß, daß ich einen – verhaßten – Teil meiner Selbst zum Vorbild für Caper nahm, um ihn vor sich selbst lächerlich zu machen, ist vielleicht der einzige wirklich reale, den der Leser machen darf.

Die Entstehung des Textes/ Ursprung.

Spätsommer 1998 klopfte ich an die Tür einer Benedektinerabtei in Südbayern, und die nächsten vier Monate sah man mich dort im Garten herumbuddeln, morgends um halb Fünf mit den Brüdern beten und mit einer gewissen Eigenironie erwägen, ob es nicht eine gute Entscheidung wäre, der Weltlichkeit zu entsagen, und hier ein gerades, festen Prinzipien unterworfenes Leben zu führen. Ich kann nicht behaupten, davon überzeugt gewesen zu sein, insbesondere was diese Religiosität anbelangt, die ich zwar hoch achte, aber (leider) nicht teilen kann – ich suchte vielmehr für eine zeitlich begrenzte Spanne Frieden und Zeit zum Nachdenken. Nichtsdestotrotz war die Hauptmotivation neben eines emotionalen Tiefpunktes nach einem Jahr Sterbeheim nicht zuletzt auch durchaus übersteigerte und eingebildete Enttäuschung gegenüber dem schönen Geschlecht und die Resignation, daß es keine “guten” Frauen mehr gäbe (ich war 21 und hatte gerade etwas frustrierende Erfahrungen hinter mir).
Alldieweil hielt ich das Zölibat ganze vier Wochen durch, ehe ich begann, mich nachts ins Dorf hinunter zu schleichen, wo eine überaus bezaubernde Kellnerin sich offenbar darin gefiel, ein Mönchlein verführt zu haben. Das monastische Leben interessierte mich sehr, die Benedektiner beeindruckten mich in ihrer Lebensführung, ihrer Konsequenz und vor allem ihrer ausgeglichenen Haltung zutiefst, und die Geschichte des Ordens studierend, stieß ich auf die Sage der Incubi und Succubi, die im Mittelalter sehr verbreitet war. Durchaus intensive Träume nach arbeitsintensiven Tagen, bei denen diese Dämonen eine Rolle spielten, mögen zusammen mit der ironisch-selbstkritischen Selbstbetrachtung meines abstrusen Weltflucht-Versuchs das Konglomerat ergeben haben, daß vier Jahre später den “Incubus” entstehen ließ.
Trotzdem schien die Geschichte nicht gut genug zu sein, um niedergeschrieben zu werden. Insbesondere, weil sie in ihrer ursprünglichen Form mehr dem Habitus der “Vampyriade” entsprach, das heißt, tatsächlich eher selbstrechtfertigend und frauenfeindlich daherkam.
Bei der Editierung der “Vampyriade“, die starke Parallelen ausweist zum “Incubus” (sie entstand kurz nach der “Rückkehr in die Weltlichkeit”), kam auch der “Incubus” wieder stark hervor, allerdings sehr verändert und um viele Nuancen reicher, und vor allem von einer liebenswerten grinsenden Ironie durchwachsen, die der Erzählung das gab, was bisher fehlte, um sie der Niederschrift würdig zu machen.

Die Entstehung des Textes/ Genese.

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Kornelimünster 2008-02

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Mit der Entscheidung zum Bearbeiten und Niederschreiben des “Incubus” begab ich mich für zwei Wochen zum befreundeten Kovent der Benedektiner in Kornelimünster bei Aachen, wo ich in Gesprächen mit den Mönchen und dem Studium der Regel des Heiligen Benedikt ebenso wie durch Studien in der Architektur und Sagenwelt für die Hintergründe der Geschichte rechergierte und in der Abgeschiedenheit mit der Niederschrift begann.
Die Geschichte gedieh, im Kopf bereits fertig, sehr schnell, die Nähe zu Aachen, wo die enttäuschenden Liebeserlebnisse stattfanden, die mich ins Kloster “trieben”, ließen die Erinnerungen sehr klar hervortreten, und ich hatte eine infernalische Freude daran, mein altes Ich in Silvan Caper zu stilisieren und kräftig in den Allerwertesten zu treten. Etliche Elebnisse aus dieser Zeit, wie die so zutrauliche Nachtigall, die zu Succlabuntus wird, oder das durchaus gruselige Erlebnis mit der überfahrenen Krähe im Torhaus wurden erlebt und in den Geschichtenkontext eingeflochten. Wobei andere Erlebnisse, Orte und Geschehnisse ebenso hineinflossen und das Kloster im “Incubus” zu einem Konstrukt unterschiedlichster topographischer und zeitlicher Puzzlestücke wurde.

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So entstammt der Gästetrakt mit dem in der Mitte stehenden Baum, dessen Äste auf die Dächer trommeln, ebenso wie der offene, durch Fresken und Steinmetzarbeiten verzierte Kreuzgang aus dem Kloster Schulpforta, die Inspiration für das Chorgestühl aus der Kirche dort, während die Rosette aus der neuromanischen Kirche von Kornelimüster stammt, ebenso wie die schöne Diskrepanz zwischen alter und neuer Bausubstanz und den Vierkantschlüsseln. Einige der mir sehr lieben Brüder von Kornelimünster standen den Brüdern aus dem Roman durchaus Pate, aber natürlich nur in der Weise, als daß es eine liebevolle Hommage ist. Bruder Egelhardt mit seinen handwerklichen Fähigkeiten und seinem wundervollen Likör beeinflußte den Charakter des Bruder Samson, oder die liebevoll-ironische Art des Abtes Alberth von Kornelimünster für den Abt im Roman.
Das Dorf zu Füßen des Klosters ist eine Adaption des Dorfes in Bayern, indem jene liebevolle Kellnerin lebte.
Aber auch wenn es natürlich eine Vielzahl von Momenten gibt, die wie bei einer jeden Geschichte aus dem Erlebten in den Text einfließen, so folgte sie ihr eigenen Dynamik und stellt, wenn überhaupt, eine überaus abstrakte Interpretation und Ausdeutung bestimmter menschlicher Eigenschaften und Handlungsmuster dar.

Querverweise zu anderen Texten.

Der “Incubus” wird von mir als eine Art Schwester der “Vampyriade” gesehen. Der Beziehungen sind unzählige, und sie wurden bewußt in der Auseinandersetzung mit dem vergleichsweise sehr unreifen Text des Vampir-Romans gesetzt.
Die Geschichtenkonstruktion wurde ähnlich gestaltet, hier wie dort ist die eigentliche Handlung in ein realtivierenden Rahmen gesetzt, wobei diesmal darauf geachtet wurde, daß die Intention der Entlarvung des egozentrisch-selbstrechtfertigenden Erzählens des Protagonisten eineindeutig heraustritt. Vor allem wurde der bewußten Eigenironie kein Riegel vorgeschoben und die ganze Palette der Brechungen mit in den Text aufgenommen, angefangen von der Erzählsituation bis hin zur völligen Umkehrung der eigentlich erzählten Geschichte.
Wie in der Vampyriade erzählt die Geschichte von einem selbstgerechten Mann, in den sich ein “Dämon” verliebt hat, und der, unfähig zur eigenen Konsequenz, diesem Unrecht tut, wobei beide Seiten ambivalent und für sich verständlich bleiben. Mit der Konsequenz der Verwandlung des Protagonisten in den Dämon. Im “Incubus” tritt jedoch die kommentierende Instanz Succlabuntus’ auf, die bereits in der Binnenerzählung dem Leser Hinweise über Capers Fehlverhalten gibt, um sich am Ende zum eigentlichen Protagonisten aufzuschwingen.
Daß es sich bei den Vögeln, in die Succlabuntus und Caper sich verwandeln, ausgerechnet um eine Nachtigall und eine Krähe handelt, und das in Bezug auf den “Nahtegal-Zyklus” einige ironische Brechungen entstehen, rührt aus einer spielerischen Freude her, ebenso wie der aufmerksame Leser die Parallele des verstümmelten, siechen Hent’ör, halb Krähe, halb Mensch, zum Toten Barden aus “Krähe und Nachtigall” schmunzelnd registrieren dürfte. Und die Konstruktion des incubischen, bocksfüßigen Barden, zu dem Silvan Caper schließlich wird, und als der er seine eigene Geschichte den Betroffenen erzählt, um sich von ihnen lynchen zu lassen, ist ein sehr ironisches Augenblinzeln auf Nâhtegal, den Barden, seine ewige Selbstbespiegelung und nicht zuletzt auf seine versuchte Selbsttötung in den “Dichter-Dämonen“. Innerlich grinsend ließ ich Caper als Krähe in den Eichenbaum fliegen, um ihn, wieder (mehr oder weniger) menschlich am Morgen aufwachend, in der Krone hilflos festsitzen zu lassen.
Sehr viel Spaß machte es auch, aus der blutjungen, wunderschönen Nonne der “Vampyriade” eine ehemals vielleicht bezaubernde, aber jetzt sehr runzlige und fordernde Vettel zu machen – die Dinge verändern sich eben. Sämtliche Spielereien dieser Art hier aufzuzeigen, wäre zu platzraubend, und der geneigte Leser hat vielleicht Freude daran, selbst danach zu suchen.

Die Incubus-Sage.

In den Klöstern des Mittelalters kam es immer wieder vor, daß Nonnen schwanger wurden. Die katholische Kirche erfand, um dies zu “erklären”, die Geschichte der “Buhlteufel”. Um die Mönche und Nonnen an ihrem heiligen Auftrag zu hindern, entsendet der Belzebub Succubi zu den Mönchen, die schafend nicht Herr ihrer selbst sind, um sie sexuell zu erregen und ihnen ihren Samen mittels Fellatio zu rauben. Die – natürlich weiblichen – Succubi übergeben diesen an die Incubi, ihrem männlichen Pendant, und diese schleichen sich in die Zellen der Nonnen, um im Cunillingus den Samen entsprechend zu plazieren, daß sie davon schwanger werden. Die Sage ist voll von Ermahnungen, sich sexueller Phantasien und Masturbation zu enthalten und sich gegen die “Versuchung” zu stählen, um dem Teufel keine Macht zu geben, aber sie enthält widersprüchliche Aussagen über Gestalt und eigentliche Herkunft der Buhlteufel.
Für den Incubus benutzte ich die Sage so, als ob sie die Fehlinterpretation tatsächlich existierender Wesen und Vorgänge wären und schuf daraus die Konzeption der In- und Succubi des “Incubus”:
Alte, magische Wesen sind sie Waldgeister, die in der Antike bereits als Satyre und Nymphen bekannt waren, wobei ich sie zu Mann und Weib einer Rasse machte, indem ich den Nymphen zwar ihre überirdische Schönheit ließ, ihnen aber die Bocksfüßigkeit der Satyre verlieh. Im Anfang lebten sie als eigenes Volk im Wald, sind in Anlehnung an die Hamadryaden1 mit einzelnen Bäumen verbunden und als magische Wesen vom dynamischen Realitätsprinzig2 abhängig. Als die Menschen christianisiert werden und nicht mehr an sie glauben, drohen sie zu verschwinden. Der durch die Christianisierung geschaffene “neue Gott” schlägt ihnen jedoch eine Pakt vor. Er will den Menschen die Möglickeit des Freien Willens (oder zumindest die Illussion dessen) bewahren, aber nicht zulassen, daß sie sich der organischen Kette entziehen, die durch die Fortpflanzung gegeben ist. Er zwingt die Nymphen und Satyre unter Androhung ihrer Auslöschung in in eine neue Existenzweise: Sie werden zu Incubi und Succubi, die den Samen der Zölibatäre seinem Zweck zuführen sollen. Der “Neue Gott” verleiht ihnen die dazu notwendigen Fähigkeiten (Überall Eindringen können, Wändeklettern, Verwandlung in Vögel und besonders die Fähigkeit, jedem als der/die am meisten Begehrte zu erscheinen und Gedanken und Gefühle manipulieren zu können, damit sich das “Zielobjekt” hingibt) und sorgt mit dem “Fluch” dafür, daß sie dies tun müssen: Sie müssen sich der Gefühlswallung des Orgasmus ihres “Zielobjektes” ernähren, und das Ausspeien des Samens hätte ebensosehr den qualvollen Tod zur Folge wie das über eine Nacht hinausgehende Verzögern des Weitertragens. Und es muß sich um Mönche oder Nonnen handeln.
Als immer mehr Klöster säkularisiert werden, und die Welt sich mit der Industrialisierung maßgeblich ändert, wird den “Buhlteufeln” dieser Fluch zum Verhängnis: Die Entfernungen zwischen den Klöstern lassen sich nicht mehr in einer Nacht überbrücken, und die Dämonen, mit Phänomenen wie Automobilen unvertraut, sterben entweder, weil sie den Samen zu lange im Mund halten müssen, oder sie werden – wie Hent’ör – von einem Auto überfahren. Viele sterben durch Rodung ihrer Seelenbäume oder es gibt nicht genug Mönche und Nonnen, um sie zu ernähren.
In Silvan Capers3 Kloster sind einige der letzten Buhlteufel verblieben. Aber bis auf den todgeweihten Hent’ör, der, da unrettbar verloren, sich opfernd den Samen aller Succubi in sich aufnimmt, um ihnen Zeit zu verschaffen, gibt es keine Incubi mehr. Früher lag auf der anderen Seite ein Nonnenkloster, das jedoch im 2.Weltkrieg zerstört wurde. Das nächste Nonnenkloster ist weit entfernt, und die männlichen Buhlteufel sind dem Verkehr oder der überschrittenen Zeit zum Opfer gefallen. Silvan Caper ist, ohne es zu wissen, ein Mischling, hervorgegangen aus der Liason von Hieronimus und der Nonne Martha, und ist daher fähig, die Aufgabe des Incubus zu übernehmen. Wobei er jedoch nicht, weil kein ganzer Incubus, an die Beschränkung auf Nonnen gebunden ist.
Die relative Unsterblichkeit. Um den In- und Succubi nicht zu gestatten, aus Haß auf ihren nicht sehr angenehmen Fluch sich selbst töten zu können, nahm ihnen der “neue Gott” die Möglichkeit des Suizides. Sie sind nur durch fremde Einflüsse sterblich. Bei Mischwesen jedoch tritt ein besonderer Fall ein. Zwar können auch sie sich selbst nicht töten, aber durch fremde Einflüsse getötet, stirbt nur ein Teil des Hybriden, und zwar der Stärkere, der die “Chance” nutzt, dem irdischen leben zu entkommen. Hier liegt Silvan Capers Fehlschluß, als er mit seiner Geschichte die Dorfbewohner so reizt, daß sie ihn lynchen: Er hält den Menschen in sich für den größerten Anteil und hofft, gelyncht, zum unsterblich-mächtigen Dämon zu werden. Aber da er zum einen durch seine halbincubische Geburt bereits zur Hälfte Incubus war und durch das Vermächtnis Hent’örs noch mehr incubisch wird, wird er, gelyncht, einfach zum sterblichen Menschen.

Das Spiel mit dem Leser.

Das Schönste am Roman ist, wie ich finde, das Spiel mit den Erzählperspektiven, das mir im Schreiben, wie ich gestehen muß, sehr viel hämische Freude bereitet hat, und den “Incubus” nicht nur durch weitere Interpretationsebenen bereichert, sondern auch als Erzählung “wahrhaftiger” macht. Zu schweigen von der Irreführung des Lesers, mit der zu spielen immer wieder ein Quell des Spaßes für den Autor ist.
Effektiv erzählt weder Caper noch Succlabuntus eine “objektive” Geschichte. Caper rechtfertigt sich selbst und sein zwar nach dreißig Jahren etwas gemilderter Egozentrismus durchzieht die ganze Schilderung der Binnenhandlung. Nicht zu vergessen ist hierbei, daß die von ihm erzählte Geschichte zweckgebunden ist und schon deswegen verzerrt, weil sie die Dorfbewohner zum Lynchen aufstacheln will. Succlabuntus rechtfertigt sich nicht weniger und stellt sich als den überlegenen “Puppet-Master” dar. Die tatsächliche Geschichte entsteht erst im Kopf des Lesers, wenn er beide miteinander abgleicht.
Daß die Binnenhandlung im Grunde eine autobiographische “Ich-Erzählung” ist, die sich über den weitesten Teil aber als fremde Geschichte in der personellen Erzählweise ausgibt, macht das ganze zu einem kleinen Rätselspiel. Die durch Caper getätigten Antizipationen des am Morgen geschehenen Lynchmordes spielen mit den Erwartungen des Lesers, der am Ende endlich den Schluß zieht, daß der Erzähler und Caper ebenso identisch sind wie das Dorf der Erzählung mit dem Dorf, in dem erzählt wird. Aber in dem Moment, wo Caper erhängt wird, führt Succlabuntus die Erzählung fort und bringt eine gänzliche andere Sichtweise auf das Geschehen: Nicht Caper spielt mit den Dorfbewohnern, sondern die Dorfbewohner spielen mit ihm: Sie wissen um seine Absichten, nur er weiß nicht, daß sie genau das wollen und sich innerlich prächtig über ihn amüsieren. Denn nicht Caper kommt, um sich zum Halbgott zu machen, sondern er wird intrigant hergelockt, um die Gefahr, die er darstellt, dadurch zu beseitigen, daß er wieder zum Sterblichen gemacht wird – der Incubus wird zum Verwirrspiel mit kriminalistischen Elementen.

Textgeschichte

  1. Hamadryaden. Baumnymphen der griech. Sage, die mit einem einzelnen Baum geboren werden und mit diesem sterben müssen. []
  2. Die Gestalt der Welt entsteht aus dem Konsenz des Glaubens aller Menschen, ist eine Art gemeinsam projizierte Vorstellung: Die Welt ist, was wir glauben, daß sie es ist. []
  3. Silvan Caper. Lat. Silvan = “Der aus dem Walde kommt”, Lat. Caper = “Ziegenbock. Der Name heißt übersetzt soviel wie “Der Ziegenbock, der aus dem Walde kam” []

[Norman Liebold, 07.07.2004
Hintergründe, Incubus
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Incubus

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