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“Eckstein” liegt mir aus mehreren Gründen sehr am Herzen. Zum Einen ist sie seit sehr langer Zeit die erste Novelle mit realistischem Anspruch, zum Anderen habe ich damit eine Blockade zerbrochen, die seit 1998 bestand, um meine schriftstellische Freiheit, um die ich seit dem “Spiegelburch” ringe, wiederzugewinnen. Zum Dritten habe ich, soweit ich mich erinnern kann, noch nie soviel Blut und Wasser für eine Geschichte geschwitzt, während ich sie schrieb. Mein Zivildienst im “Lourdesheim” zu Aachen, einem dem Schwesternorden “Zur Seeligen Franziska” unterstehenden Alten- und Pflegeheim, ist zwar auf der einen Seite eine wertvolle, an menschlichen Erfahrungen sehr reiche Zeit gewesen, zugleich jedoch auch eine, die offensichtlich eine nicht geringe seelische Belastung durch das ständige Umgebensein von Tod, Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit und geistigem Verfall in konzentriertem Maße für mich darstellte. Während dieser Zeit begann ich nicht nur zu Rauchen wie ein Schlot, sondern litt mehr und mehr unter Schlaflosigkeit und, wenn ich denn schlief, unter drückenden Träumen. Ein Zustand, der auch nach dem Zivildienst verblieb. Zugleich wandte ich mich von allen realistischen Geschichten völlig ab und begann, zum einen ältere phantastische Geschichten wieder aufzubereiten wie auch mich völlig auf die Märchenwelt des “Nâhtegal-Zyklusses” zu fixieren und ausschließlich irreale Mären zu spinnen. Etwas, aus dem ich seit 2001 auszubrechen versuchte, aber Angst vor Neuem hatte. Der Drang dahin wurde jedoch immer stärker, wenn ich auch bis Ende 2003 diesen Punkt hinausschob, indem ich mich weiterhin in den “Nâhtegal-Zyklus” vergrub. Mit “Altenheim”, Ende 2003, wagte ich mich erstmals an den Stoff, und etwas riß in mir auf, die “Eckstein“-Thematiken brachen hervor. Ich wagte jedoch immer nicht, mich in den Stoff hineinzubegeben, als ob ich eine reale Angst davor hatte. Nicht zu unterschätzen war dabei auch die Furcht, Menschen durch einseitige oder falsche beschreibungen Unrecht zu tun. Erst durch die Versicherungen und unterstützenden Ratschläge des befreundeten Benedektiner-Paters Friedhelm aus dem Konvent Kornelimünster und V.Walterscheids, wagte ich schließlich doch den Schritt ins unbekannte Terrain. Die Entstehung des Textes/ Ursprung.Zuerst wollte ich mich vorsichtig nähern, indem ich eine die Erfahrungen nur flüchtig berührende Geschichte im Horror-Genre begann. Aber der Stoff und die Geschichte, die seit 1998 in meinem Kopf herumspukte, nutzte offenbar die Chance und brach in die sich auftuende Bresche. Trotzdem ich mich anfangs dagegen wehrte, gewann sie sehr schnell die Überhand über die ursprünglich vorgenommene Story. “Eckstein” schrieb ich in etwa 4 Wochen in einem überaus heftigen Zustand nieder, in dem ich kaum schlafen konnte, wie ein Schlot rauchte und hier oder da zur Sorge meiner Freunde unkontrollierte, rein physische Weinkrämpfe bekam. Fiktion und Wirklichkeit.Es ist mir sehr wichtig, daß nicht versucht wird, “Eckstein” als die Schilderung wirklich geschehener Ereignisse zu lesen. Nicht umsonst gestaltete ich das Ende als Alzheimer-Illusion. Trotzdem aber ist es mir genauso wichtig, daß die Geschehnisse in ihrer Weise real sind, denn die Geschichten und Bilder in “Eckstein” sind zwar literarisch verfremdet und unterliegen den Eigendynamiken eines jeden Geschichtenerzählens, aber die dargestellten Verhältnisse und Problematiken sind wirklich. Zu der Frage, inwieweit ich tatsächliche Geschehnisse und Personen verarbeitet habe, kann und will ich nicht Stellung nehmen, um im Bewußtsein, daß niemand fähig ist, “Wirklichkeit” adäquat abzubilden, auch niemandem Unrecht zu tun. Alle Handlungen und Personen in “Eckstein” will ich daher als literarische Fiktion aus meiner subjektiven Sicht verstanden wissen. Nicht zuletzt, weil ich natürlich auch bewußt literarisch verfremdete – der Geschichte, ihrer Aussage, Stringenz und nicht zuletzt auch der Unkenntlichmachung realer Personen wegen. Ziel der Novelle.Unsere Gesellschaft versucht, sämtliche als “unangenehm” eingestufte Phänomene wie Krankheit, Siechtum, geistige Verwirrung, Alter und Tod auszugrenzen und an Orten wie Krankenhäusern, Altenheimen und Psychatrien zu konzentrieren. In der “normalen” Gesellschaft wird das zu gerne einfach ignoriert, der Jugend- und Spaßwahn kann Dinge wie alte, kranke oder tote Menschen nicht gut verdauen. Querverweise zu anderen Texten.Da die Zivildienstzeit für mich zugleich die Zeit einer heftigen Reifung war und mich tief beeindruckte, sind etliche Symbole und Andeutungen in vielen Texten nach 1998 eingeflossen, obwohl ich offenbar alles versuchte, um mich nicht damit auseinandersetzen zu müssen. Textgeschichte
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