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10-Okt-1999 16:22
12-Nov-1999 19:16
Skizze im Manuscript der 'Vampyriade'. Norman Liebold, Grafit und Aquarell, 1999
Skizze im Manuscript der 'Vampyriade'. Norman Liebold, Grafit und Aquarell, 199914-Nov-1999 16:03
Norman Liebold: Illustrationen für Liebold, Norman: Vampyriade. Königswinter 2009. ISBN 9783937330037
Norman Liebold: Illustrationen für Liebold, Norman: Vampyriade. Königswinter 2009. ISBN 978393733003715-Apr-2007 08:54
Norman Liebold: Illustrationen für Liebold, Norman: Vampyriade. Königswinter 2009. ISBN 9783937330037
Norman Liebold: Illustrationen für Liebold, Norman: Vampyriade. Königswinter 2009. ISBN 978393733003715-Apr-2007 08:54
Norman Liebold: Illustrationen für Liebold, Norman: Vampyriade. Königswinter 2009. ISBN 9783937330037
Norman Liebold: Illustrationen für Liebold, Norman: Vampyriade. Königswinter 2009. ISBN 978393733003715-Apr-2007 08:54
Norman Liebold: Illustrationen für Liebold, Norman: Vampyriade. Königswinter 2009. ISBN 9783937330037
Norman Liebold: Illustrationen für Liebold, Norman: Vampyriade. Königswinter 2009. ISBN 978393733003715-Apr-2007 08:54
Norman Liebold: Illustrationen für Liebold, Norman: Vampyriade. Königswinter 2009. ISBN 9783937330037
Norman Liebold: Illustrationen für Liebold, Norman: Vampyriade. Königswinter 2009. ISBN 978393733003715-Apr-2007 08:55
Norman Liebold: Illustrationen für Liebold, Norman: Vampyriade. Königswinter 2009. ISBN 9783937330037
Norman Liebold: Illustrationen für Liebold, Norman: Vampyriade. Königswinter 2009. ISBN 978393733003715-Apr-2007 08:55
Norman Liebold: Illustrationen für Liebold, Norman: Vampyriade. Königswinter 2009. ISBN 9783937330037
Norman Liebold: Illustrationen für Liebold, Norman: Vampyriade. Königswinter 2009. ISBN 978393733003715-Apr-2007 08:55
Norman Liebold: Illustrationen für Liebold, Norman: Vampyriade. Königswinter 2009. ISBN 9783937330037
Norman Liebold: Illustrationen für Liebold, Norman: Vampyriade. Königswinter 2009. ISBN 978393733003715-Apr-2007 08:55
Skizze im Manuscript der 'Vampyriade*, Tische auf Papier
Skizze im Manuscript der 'Vampyriade*, Tische auf Papier15-Apr-2007 08:55
Skizze im Manuscript der 'Vampyriade', Norman Liebold Tusche auf Papier, 1999
Skizze im Manuscript der 'Vampyriade', Norman Liebold Tusche auf Papier, 199915-Apr-2007 08:55
Norman Liebold: Illustration für Liebold, Norman: Vampyriade. Tusche auf Papier, 2002
Norman Liebold: Illustration für Liebold, Norman: Vampyriade. Tusche auf Papier, 200215-Apr-2007 08:55
Norman Liebold: Illustration für Liebold, Norman: Vampyriade. Tusche auf Papier, 2002
Norman Liebold: Illustration für Liebold, Norman: Vampyriade. Tusche auf Papier, 200215-Apr-2007 09:07

Die “Vampyriade” ist vielleicht der Text, dem ich heute am zwiespältigesten gegenüber stehe. Das liegt hauptsächlich an zwei Gründen, die aber im Grunde einer sind. Der Roman wird mit einer nicht abbrechenden Konsequentheit mißverstanden und steht daher auch bei mir langsam als das da, was er für die Mehrheit der Leser ist: Eine überaus blutrünstige Vampirwerdungs-Novelle voller fleischbetonter, zur Perversität neigender Erotik an der Grenze (und darüber hinaus) zur Pornographie sowie extrem chauvinistischer Betrachtung der Frauen im Text, im Besonderen der Vampyrin Ludovika.

Aus Autorensicht handelt es sich bei der Novelle um eine Parabel auf Haßlieben, eine psychologische Analyse insbesondere der männlichen Sicht und eine Kritik an genau dem, was die meisten Leser in der Vampyriade als dahingestellt sehen.
Leider wurde und wird immer wieder übersehen, daß die eigentliche Geschichte in der Ich-Perspektive des Von Wolffengang erzählt ist, und daß seine Sichtweise an allen relevanten Stellen, z.T. sogar durch ihn selbst, in Frage gestellt wird. Nicht umsonst ist der Roman als fingiertes Manuscript angelegt.

Die Entstehung des Textes/ Ursprung. Zwischen 1997 und 1999 unterhielt ich eine Art Beziehung zu einer jungen Frau1, die in höchstem Maße zwiespältig war. Das lag unter anderem durch meinen eigenen inneren Zwiespalt, da ich keine echte Beziehung einzugehen wünschte2, aber auf der anderen Seite nicht die Konsequenz besaß, sie auch tatsächlich auf eine Freundschaft zu beschränken. Da es sich bei der jungen Frau um eine sehr leidenschaftliche und intensive Person handelte und obendrein wir einander die vertrautesten Freunde waren, entwickelte sich die Beziehung zu einer unauflösbaren Haß-Liebe, einem Wechselbad von heiß und kalt, das insbesondere dadurch oft sehr schmerzhaft war, weil wir einander bis ins Innerste kannten und beide die Fähigkeit besaßen, verletzt den anderen die tiefsten Wunden zu schlagen.
In der den Menschen eigenen Art begann ich zwischen zwei Extremen der Betrachtungsweise zu schwanken: Auf der einen Seite war ich derjenige, der die Situation immer wieder eskalieren ließ, insbesondere durch meine Inkonsequenz. Auf der anderen sah ich mich als das Opfer eines “psychischen Vampirs”3, und die junge Frau machte in dieser Vorstellung alles voller Berechnung, um für sich egoistisch Nutzen zu schlagen.
Letztendlich muß ich heute sagen, daß beides irgendwie der Fall gewesen ist, wobei aber das Hauptgewicht auf meinen eigenen unreifen, egozentrischen und oft ziemlich unfairen Verhaltensweisen liegt, so daß ich mir bewußt bin, ihr oftmals schlichtweg keinen anderen Weg offengelassen zu haben.
Nach einem besonders schmerzhaften Ereignis bemerkte ich an mir, daß die Seite der Verteufelung überhand gewann, ich begriff die Muster, die mich dazu brachten und das Ganze nahm in mir die Form einer Geschichte an, aus der langsam, über die nächsten anderthalb Jahre hinweg, die Vampyriade erwuchs.

Die Entstehung des Textes. Die Ursprungsgeschichte eines Mannes, der aufgrund der “Vorurteile” gegen Vampire im Laufe der Vampir-Werdung seine “Erweckerin” zu hassen beginnt, sie immer mehr verteufelt und nicht mehr die Zwänge und Ängste sieht, die sie aufgrund jahrhundertelanger Verfolgung und Ächtung verinnerlicht hat, ohne aus sich heraustreten zu können, wird erstmals in einem Brief an Jens Finkhäuser am 03.05.1998 als “Illustration” der Beziehungs-Entwicklung zu der jungen Frau erwähnt.
Kurz danach nahm mich Martin Herweg, ein überzeugter Rollenspieler, mit zu einem Vampire-Live-Rollenspiel mit. Die Geschichte, die gespielt wurde, war auf mehrere Wochenenden konzipiert, und da die junge Frau am darauffolgenden zu Besuch war und Neugier auf das Spiel hatte, begleitete sie mich. Am Tage vor dem Spiel eskalierte das Beziehungsproblem sehr heftig, und entsprechend seltsam gestaltete sich für mich das Live-Rollenspiel. Durch die mehrfache Verquickung von Vampire-Live-Rollenspiel, der aktuellen Diskussion mit Jens über psychische Vampire in Bezug auf die junge Frau und der in meinem Kopf brodelnden Geschichte, wurde das Vampire-Live-Rollenspiel fester Bestandteil der Novelle. Die ersten drei Kapitel4) sind sehr stark an die tatsächlichen Erlebnisse angelehnt, so daß das Rollenspiel von vielen Teilnehmern wiedererkannt wurde. Natürlich gab es keinen echten Vampir, keinen Mord und kein Blutsaugen, aber es machte Spaß, die Symboliken der Psychischer-Vampyr-Metapher direkt zu übertragen.
Auch andere Szenen, z.B. Die Ferdinand-Szene in “Zweiter Blutsbund”(S.51-66), der “Dritte Blutsbund” sowie die Reise nach S* sind literarisch verfremdete, symbolaufgeladene Szenen, die ihre Vorbilder insofern in der erlebten Realität haben, als daß aus diesen, der Eigendynamik der Handlung und der Personen folgend, die Romanszenen erwachsen sind. Die Statue im Klostergarten des Altenheims zu A*, kann man, z.B., im Altenheim “Lourdesheim” in Aachen betrachten, in dem ich zu dieser Zeit meinen Zivildienst ableistete. Was jedoch nicht heißen soll, daß ich da eine Nonne verführte und tötete… es darf nicht vergessen werden, daß es sich hier um eine Geschichte handelt!
Im September 1999 zog ich nach Weimar (W*… ;-) ), um dort mein Studium zu beginnen. Unter anderem spielte dabei die Nähe zu der erwähnten jungen Frau eine nicht zu unterschätzende Größe. Ich wohnte anfangs, bis ich eine eigene Wohnung gefunden hatte, auf dem Dachboden des “Hababusch Hostels” in der Geleitstraße, in dem ich einige gute Bekannte hatte. Die im “Vorwort des Herausgebers”(S. 7-8) angebenen Umstände sind also tatsächlich an tatsächliche Geschehnisse angelehnt. Nur daß das “Von Wolffengangsche Manuscript” in Wirklichkeit das in ein paar Schulhefte gekritzelte erotische Tagebuch irgendeines Teenagers waren, auf 1957 datiert und sehr egozentrisch und chauvinistisch. Die “Rechergenreise” am Ende des Romans hat natürlich keine Entsprechung, abgesehen davon, daß dem Haus durchaus ein paar Schauergeschichten anhaften, die Gullis tatsächlich bei heißem Wetter zum Himmel stinken und die Haß-Liebe-Beziehung hier wiedermal beendet wurde, wenn auch wesentlich weniger dramatisch.
Während dieser Zeit – in der mein Bett aus einer Matratze bestand, die ich auf einige quer über Dachsparren gelegte Bretter gelegt hatte – arbeitete ich an der “Vampyriade”, konstruierte die Handlung und die Personenkonstellationen und schrieb eine Rohfassung, deren Gestalt aber gänzlich anders aussah: Hier nämlich war das Geschehen noch wesentlich vielschichtiger, und die Seite Ludovikens war ebenso ausgebaut wie die Von Wolffengangs, wobei das Hauptaugenmerk darauf lag, daß jeder der Beiden in seinen Handlungs- und Reaktionsmuster so festgefahren waren, daß es zum Desaster kommen mußte.
Ich schickte das Manuscript an einen bekannten Verlag und bekam einen Brief zurück, der besagte, daß es eine sehr interessante und gut geschriebene Geschichte sei. Aber ich solle doch bitte die Handlung vereinfachen, die Dämonin zur echten Dämonin machen und Von Wolffengang zur armen Sau, die wegen des Dämons zerstört wird.
Ich war äußerst enttäuscht, denn der Lektor wollte mit unglaublicher Präzesion genau jenes aus der Novelle nehmen, um das es mir ging.
Im Oktober, nach dem Bruch mit der jungen Frau, hielt mich nichts mehr in Weimar, und für mein Studium war die Universität zu Bonn die erste Wahl. Ich wechselte also und verbrachte die zwei Wochen vor Semsterbeginn in meinem Wohnwagen in Eudenbach, wo ich, voller Wut, Enttäuschung und einer gewissen gemeinen Freude, die Geschichte völlig neu schrieb, und sie voll mit sämtlichen genretypischen Klischees packte: blutrünstig und bis zur Pornographie schlüpfrig. Die Ambivalenz der Geschichte war nur noch durch in Fußnoten ausgedrückten skeptischen Kommentaren Ludovikens gegeben, die das Manuscript Von Wolffengangs gelesen und kommentiert hatte.
Am 1. und 2. Dezember 1999 las ich den kompletten Roman im Kulturcafé Siegburg vor, und die Reaktionen des Publikums waren frappierend: Ich verkaufte die gesamte Selbst-Auflage von 60 Stück auf einen Schlag. Es kommt noch besser: Gerade die Sachen, die ich eigentlich nur aus Wut und Enttäuschung hineingepackt hatte, all das Blut, all der monströse, perverse Sex, lösten die Begeisterung des Publikums aus. Die Ludovika-Fußnoten wurden als störend empfunden, ebenso die Rahmenhandlung, die den Blick darauf lenken sollte, daß es sich um eine extrem verzerrende, ungerechte Sichtweise Von Wolffengangs handelt. Beim nächsten Druck von wesentlich mehr Exemplaren nahm ich die Fußnoten heraus, verzichtete aber nicht auf die Rahmenhandlung.
Seitdem ist die “Vampyriade” einer meiner erfolgreichsten Bücher,5 wobei nahezu alle Männer sie phantastisch, viele Frauen dagegen ziemlich gemein und ekelig finden – wobei ich eher Letzteres nachvollziehen kann.

Querverweise zu anderen Texten.
Der Name Von Wolffengangs im Vampire-Live-Rollenspiel, “Nachtigall”, ist unschwer als Anspielung auf “Nâhtegal”, die mittelhochdeutsche Schreibweise für Nachtigall, erkennbar. Der Umstand, daß er im Spiel einen vampirischen Spielmann darstellt, wie die Erzählerfigur Nâhtegal im “Nâhtegal-Zyklus” ein Spielmann ist, bekräftigt das nur noch.
Die Verwandlung der Vampire in Krähen (“Dritter Blutsbund”(S.91-111)) anstatt in die klassischen Fledermäuse, läßt an die Schlußszene von “Krähe und Nachtigall” denken.
Die Statue der Maria im Klostergarten des Altenheims zu A* taucht als symbolgeladenes Topos in “Die Sieben Kelche” (2001) (Buch der Wandlung, Die Statue des Feuers, S.83, unten) auf:

“Ich war in einem Park, die Sterne glänzten drüber, im Winde rauschte das Laub von Kastanienbäumen. [...] und vor mir stand in einer künstlichen Grotte eine Statue in Blau und Weiß – mein Wachtraum, so wollte es zuerst mir scheinen”,

und auch hier ist es mit einer Verführung verbunden.

In “Eckstein” (2004) wird sie ebenfalls beschrieben, hier an ihrem tatsächlichen Platz in einer realistischen Geschichte. Und schließlich, wenn auch nicht mehr aufgelegt, ist dieser Ort in “Die Elfentraumspieluhr6 (2000) der Ort von Arthurs “erstem Mal”.
Der 2003 entstandene Roman “Incubus” nimmt sehr stark bezug auf die “Vampyriade”. Ich bezeichne sie gern als Geschwister. Im “Incubus” wird die Problematik noch einmal aufgerollt, aber gänzlich anders bearbeitet und aufgelöst, denn Silvan Caper ist hier erkennbar der in seine Egozentrismen und Chauvinismen verfangene Jüngling, der den “Dämonen” Unrecht tut. Die Querbezüge sind im Text jedoch versteckt gesetzt: Die Personen-Konstellation “dämonische”, verliebte Frau versus unreifem, zum Verständnis unfähiger Liebhaber; die in eine relativierende Rahmenhandlung eingebettete Ich-Erzählung; die Verwandlung des Dämons Succlabuntus in eine Nachtigall und Silvan Capers Verwandlung in eine Krähe; die “Schlüpfrigkeit” etlicher Szenen.
Der Archetypus der im Grunde unschuldigen, durch ihr Wesen jedoch Schmerz hervorrufenden Frau, hat ihre Reinform in “Brief aus Anderswelt“, enthalten im “Märenborn”. Auch hier der Topos von Dämonen und der Handlungsschauplatz in einem Klostergarten unter einem großen Baum.

Textgeschichte

[Norman Liebold, 18.06.2004

  1. Namen sind nicht, verständlich, oder? []
  2. bzw. – ehrlicher – nicht einzugehen getraute, weil mich die Stärke der Gefühle ängstigte und ich mich zu verlieren fürchtete []
  3. Der “Psychische Vampir” ist in der “Satanischen Bibel” die Bezeichnung für einen Menschen, der aufgrund eines eigenen Defizites von den Gefühlen anderer lebt, ihn mittels psychologischer Methoden an sich bindet und ihn benutzt, um sich selbst besser zu fühlen. []
  4. “Rollenspiel”(S.9-19), “Der Vampyr”(S.21-35) und “Erster Blutsbund”(S.37-50 []
  5. Nun, der Incubus übertraf sie, allein hier haben wir ja auch genug Schlüpfrigkeiten und Brutalitäten, die das erklären könnten, nicht wahr? []
  6. Die Elfentraumspieluhr” können Sie allerdings vollständig im “Kuriositätenkabinett” lesen! []

[Norman Liebold, 18.06.2004
Hintergründe, Vampyriade
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